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Erarbeitung von Erfassungsmengen und Recyclingquoten

 

Ansprechpartner
Prof. Dr.-Ing. Klaus Gellenbeck
Dr.-Ing. Gabriele Becker
Dipl.-Biol. Sigrid Hams

Ahlen, den 18. März 2014

 

 

Kurzfassung

 

I. Aufgabenstellung

Zur Verbesserung der Recyclingmengen in Deutschland wurde durch die INFA GmbH im Auftrag der „Arbeitsgruppe Quoten“ der Gemeinschaftsinitiative ein Vorschlag erarbeitet für:

1. Ambitionierte Vorgaben für die getrennt zu erfassenden Wertstoffmengen

2. Ambitionierte Recyclingquoten als Quoten der stofflichen Verwertung

Das Modell weist Vorgaben für folgende Wertstoffe aus: Altpapier, Glas, Bio- und Grünab- fälle, Metalle, Kunststoffe, Getränkekartons, Altholz. Die Vorgaben sind auf der Ebene der Kreise und kreisfreien Städte zu erfüllen. Zur Berücksichtigung der Siedlungsstruktur erfolgt bei den Vorgaben zu den zu erfassenden Wertstoffmengen eine Differenzierung nach der Einwohnerdichte in fünf Cluster.

II. Vorschlag für die Vorgaben zu den Erfassungsmengen

Die Vorgabe einer einwohnerspezifischen Mindestmenge an Wertstoffen (in kg/(E*a)) ist auf die getrennte Erfassung der Wertstoffe ausgerichtet. Darüber hinaus werden Wertstoffe aus dem Sperrmüll, die bei der Sperrmüllsammlung separat abgefahren oder über eine Sperr- müllsortierung ausgeschleust werden, berücksichtigt. Die ggfs. aus dem Restabfall für eine stoffliche Verwertung aussortierten Wertstoffmengen fließen nicht ein.

Zur Herleitung der Vorgaben wurden die derzeit getrennt erfassten Wertstoffmengen (Basis: bundesweite örE-Daten aus Abfallbilanzen 2011) sowie die Wertstoffpotenziale (Basis: Da- ten aus Abfallsortieranalysen) ausgewertet. Es wurden zwei Varianten erarbeitet, die auch in zeitlicher Staffelung in Form eines Stufenmodells angesetzt werden können.

Variante 1 (z. B. als Stufe 1 bei Einführung) basiert auf der derzeit im Durchschnitt in jedem Cluster erfassten Wertstoffmenge sowie dem noch im Restabfall vorhandenen Wertstoffpo- tenzial. Es wurde je Cluster eine zusätzlich abzuschöpfende Menge definiert und dem heu- tigen Mittelwert aufgeschlagen. Die zusätzlich abschöpfbare Menge wurde auf der Basis einer definierten Maximalmenge im Restabfall (s. u.) sowie aus Anteilen aus dem Sperrmüll abgeleitet.

Variante 2 (z. B. als Stufe 2 mittelfristig) basiert ausschließlich auf dem Vergleich der der- zeitigen Erfassungsmengen innerhalb eines Clusters im Sinne eines Benchmarkings. Da ambitionierte Erfassungsmengen angestrebt werden, wurde als Sollwert das 75 %-Quartil angesetzt, d. h. 25 % der örE erreichen diese Menge derzeit, 75 % noch nicht.

In beiden Fällen wurden die Werte für die Vorgaben (in Schritten von 5 kg/(E*a)) gerundet.

Ergänzend zu den Erfassungsmengen wurde ein maximaler Wertstoffgehalt im Restab- fall (in kg/(E*a)) definiert, der zum Nachweis der hinreichenden Abschöpfung bei Nicht- Erreichen der Erfassungsmenge herangezogen werden kann. Der Wert orientiert sich am Wertstoffgehalt im Restabfall der jeweils 25 % besten örE jedes Clusters.

 

Vorgaben für die Erfassungsmengen [kg/(E*a)]

Wertstoff Struktur-Cluster ≤ 150
E/km2
> 150
– 500
E/km2
> 500
– 1.000
E/km2
> 1.000
– 2.000
E/km2
> 2.000
E/km2

Variante 1 (z. B. als Stufe 1 bei Einführung)

Altpapier Erfassungsmenge (Min.) 75 85 80 75 65
Menge im Restabfall (Max.) 8 8 13 15 18
Glas Erfassungsmenge (Min.) 25 25 25 25 20
Menge im Restabfall (Max.) 5 5 6 7 9
Bioabfall
(Biotonne)
Erfassungsmenge (Min.) 50 70 80 70 35
Menge im Restabfall (Max.) 25 30 35 40 70
Bio- und
Grünabfall1
Erfassungsmenge (Min.) 135 160 150 130 75
Menge im Restabfall (Max.) 25 30 35 40 70
Metalle Erfassungsmenge (Min.) 10 10 10 10 10
Menge im Restabfall (Max.) 3 3 3 3 3
Kunststoffe Erfassungsmenge (Min.) 25 25 20 20 15
Menge im Restabfall (Max.) 7 7 9 9  13
Getränkekartons Erfassungsmenge (Min.) 3 3 3 3 2
Menge im Restabfall (Max.) 1 1 1 1 1
Altholz Erfassungsmenge (Min.) 20 20 25 25 25
Menge im Restabfall (Max.) 2 2 2 2  2

Variante 2 (z. B. als Stufe 2 mittelfristig)

Altpapier Erfassungsmenge (Min.) 90 90 90 90 75
Menge im Restabfall (Max.) 8 8 13 15 18
Glas Erfassungsmenge (Min.) 30 30 25 25 20
Menge im Restabfall (Max.) 5 5 6 7 9
Bioabfall
(Biotonne)
Erfassungsmenge (Min.) 95 110 100 80 35
Menge im Restabfall (Max.) 25 30 35 40 70
Bio- und
Grünabfall1
Erfassungsmenge (Min.) 135 160 150 130 75
Menge im Restabfall (Max.) 25 30 35 40 70
Metalle Erfassungsmenge (Min.) 12 12 12 12 10
Menge im Restabfall (Max.) 3 3 3 3 3
Kunststoffe Erfassungsmenge (Min.) 25 25 20 20 15
Menge im Restabfall (Max.) 7 7 9 9 13
Getränkekartons Erfassungsmenge (Min.) 4 4 3 3 2
Menge im Restabfall (Max.) 1 1 1 1 1
Altholz Erfassungsmenge (Min.) 25 30 25 30 30
Menge im Restabfall (Max.) 2 2 2 2 2

1Bioabfallmenge (Biotonne) ist hier enthalten

Für die organischen Abfälle wurde eine Vorgabe für die Summe an Bio- und Grünabfällen in Kombination mit einer Mindestmenge für die Biotonne festgelegt; beide Vorgaben sind zu erfüllen. Bei den Mengenvorgaben für Kunststoffe, Metalle und Altholz wurden neben den Mengen aus den Wertstoffsystemen (Holsysteme, Depotcontainer und Wertstoffhöfe) auch die Mengen aus dem Sperrmüll berücksichtigt. Im Sinne einer möglichen Vereinfachung des Modells könnte auf Grund der bereits sehr hohen Abschöpfung aus dem Restabfall auf die Mengenvorgaben bei den Getränkekartons und ggf. auch beim Altholz (hier ggf. weitere Entfrachtung des Sperrmülls) verzichtet werden.

Die Vorgaben werden derzeit bei den meisten Wertstoffen von 25 – 50 % der örE (Var. 1) bzw. 20 – 30 % der örE (Var. 2) erfüllt. Bei Erreichung der Vorgaben durch alle örE (und Beibehaltung der darüber liegenden Mengen) kann damit unter Vernachlässigung sonstiger Einflüsse wie Demografie- und Konsumentwicklung etc. insgesamt eine Steigerung der getrennt erfassten Wertstoffmenge um 5,6 Mio. Mg/a bzw. 70 kg/(E*a) bei Var. 1 und 7,8 Mio. Mg/a bzw. 95 kg/(E*a) bei Var. 2 erreicht werden.

III. Vorschlag für die Vorgaben zu den Recyclingquoten

Die vorgeschlagenen Recyclingquoten sind Mindestquoten für den Anteil der stofflichen Verwertung. Dabei werden bei den Bioabfällen auch die Vergärung im Sinne einer Kaska- dennutzung und bei den Kunststoffen ausschließlich die werkstoffliche Verwertung dem Recycling zugeordnet. Die Vorgabe wird als Quote (%) bezogen auf die getrennt erfasste Wertstoffmenge ausgedrückt. Maßgeblich für den stofflich verwerteten Anteil ist der Ein- gang bei einer Recyclinganlage (Papierwerk, Kompostwerk, Metallhütte etc.), in der ein Produkt hergestellt wird, das keiner weiteren abfallspezifischen Behandlung mehr bedarf.

Die Recyclingquoten wurden so abgeleitet, dass sie durch alle Erfassungssysteme erreich- bar sind, und dass Aufbereitungsprozesse in externen Anlagen (z. B. Altpapiersortierung) zukünftig nicht unterbunden werden. Bei allen Fraktionen, die in einer Zwischenaufberei- tungs-/Sortieranlage zugeführt werden (können) wurde eine Ausschleusung von Störstoffen sowie die technisch bedingte Ausbringungsgrenze berücksichtigt.

Bei den Bio- und Grünabfällen ist eine anteilige, hochwertige energetische Nutzung als nachwachsende Rohstoffe sinnvoll und politisch gewollt. Hier sind ggf. Ausnahmeregelungen für spezifische Konzepte mit geringeren stofflichen Verwertungsanteilen bei Nachweis einer hochwertigen energetischen Verwertung zu entwickeln.

Wertstoff Vorgaben für die Rycyclingquote
Quote
[Masse-%]*
Herleitung
Altpapier 90 ca. 6 % Störstoffe, Berücksichtigung von Fehlchargen
Glas 90 ca. 6 % Fremd- und Störstoffe (Deckel etc.) , Berücksichtigung von Fehlchargen
Bioabfall 80 ca. 12 – 15 % vom Input als Brennstoff abgetrennt (teilweise auch höhere Anteile)
Grünabfall1 70 ca. 25 – 30 % als hochwertiger Brennstoff abtrennbar; anteilige energetische Nutzung politisch gewollt und heute vielfach praktiziert
Fe-Metalle2 95 Ausbringung ca. 95 %
NE-Metalle2 70 Ausbringung 70 – 80 %,
NE-Metalle zusätzlich i. d. R. extern weiter aufbereitet
Kunststoff 50 50,Annahme: nahezu vollständig Sortierung mit Kunststoffartentrennung sowie stoffliche Verwertung der Mischkunststoffe zu 20 – 25 %
Getränkekartons 80 Ausbringung ca. 80 %
 Altholz 20 derzeit erfahrungsgemäß 20 – 30 % stoffliche Verwertung, hier fortgeschrieben

* bezogen auf die erfasste Wertstoffmenge
1 spezifische Konzepte der Bio- und Grünabfallbehandlung sind zu berücksichtigen
2 ggf. Zusammenfassung zu einer Quote

 

IV. Nachweisung der Erfassungsmengen und Recyclingquoten

Zur Nachweisung der getrennt erfassten Wertstoffmengen sowie der Recyclingquoten sind Mengenstromnachweise zu erstellen, für die alle am Verwertungsprozess Beteiligten (auch Zwischenaufbereiter / Sortieranlagen) ihre jeweiligen Massenströme nachvollziehbar und überprüfbar darlegen und dem örE übermitteln müssen.

Die Letztempfängeranlagen zur stofflichen Verwertung (Papierwerke, Glashütten, Kompostwerke / Vergärungsanlagen, Stahlwerke / NE-Metallwerke, kunststoffverarbeitende Betriebe, Holzwerkstoffindustrie) sind darüber hinaus in Bezug auf ihre Einstufung sowie den Anteil der stofflichen Verwertung zu zertifizieren. Die Überprüfung der Anteile erfolgt durch die Darlegung einer Anlagenbilanz mit den Input- und Outputmassen sowie Angaben zu den Verwertungswegen. Beim Anteil der stofflichen Verwertung werden ausschließlich die Anteile des Anlageninputs abgezogen, die nicht dem Recyclingprozess sondern einem nicht-stofflichen Verwertungsweg zugeführt werden (z. B. Ausschleusung und Aufbereitung eines Anteils der Bio-/Grünabfälle zu Brennstoff). Die im Prozess verfahrensbedingte Aus- schleusung von nicht recyclebaren Anteilen (z. B. Spuckstoffe bei der Altpapierverwertung, Siebreste aus der Kompostierung) sowie Massenverluste (z. B. bei der Kompostierung / Vergärung) werden dem Recyclingprozess zugeordnet und nicht in Abzug gebracht. Das Anlagenzertifikat ist auf Grundlage einer Dokumenten- und Anlagenprüfung vor Ort zu erstellen und in regelmäßigen Abständen oder bei wesentlichen Änderungen mit Einfluss auf Betriebs- und Verfahrensweisen der Anlage zu erneuern.

Zur Vereinfachung benötigen Letztempfängeranlagen von Wertstoffen, die nicht zur energe- tischen Verwertung eingesetzt werden können (z. B. Glas, Eisenmetalle) kein Zertifikat, sondern führen ausschließlich einen Eingangsnachweis über die angenommene Menge.
 Da im Falle des Altholzes der örE-bezogene Nachweis problematisch sein dürfte, ist hier u. U. auf eine Quotenvorgabe zu verzichten.

Anhang: Beispiel

Erfüllung der Vorgaben für die Erfassungsmengen (Var. 1)
am Beispiel eines Muster-Landkreises
Cluster > 150 – 500 E/km2
Wertstoff Vorgaben [kg/(E*a)] Erfasste
Menge
[kg/(E*a)]
Erfüllung
Vorgaben
Variante 1 (z. B. als Stufe 1 bei Einführung)
Altpapier Erfassungsmenge (Min.) 85 74  Hacken-transparent
Menge im Restabfall (Max.) 8 6
Glas Erfassungsmenge (Min.) 25 25  Hacken-transparent
Menge im Restabfall (Max.) 5 3
Bioabfall (Biotonne) Erfassungsmenge (Min.)  70  136  Hacken-transparent
Menge im Restabfall (Max.)  30  22
Bio- und Grünabfall Erfassungsmenge (Min.)  160  168  Hacken-transparent
Menge im Restabfall (Max.)  30  22
Metalle Erfassungsmenge (Min.)  10  5 X-transparent
Menge im Restabfall (Max.)  3  5
Kunststoffe Erfassungsmenge (Min.)  25  25  Hacken-transparent
Menge im Restabfall (Max.)  7  18
Getränkekartons Erfassungsmenge (Min.)  3  4  Hacken-transparent
Menge im Restabfall (Max.)  1  0
Altholz Erfassungsmenge (Min.)  20  0 X-transparent
Menge im Restabfall (Max.)  2  3

 

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INFA Gutachten – Erarbeitung von Erfassungsmengen und Rycyclingquoten

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