Zitate_Klaus_Mueller_Verbraucherzentrale

Klaus Mueller, vzbv

 

Der gebürtige Wuppertaler Klaus Müller war unter anderem Mitglied des Deutschen Bundestages, des Landtags Schleswig-Holstein und Minister für Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft des Landes Schleswig-Holstein. Mit dem Beginn seiner Tätigkeit als Vorstand der Verbraucherzentrale NRW im Jahr 2006 hat er alle politischen Ämter und Mandate niedergelegt. Seit dem 1. Mai 2014 ist er Vorstand des  Verbraucherzentrale Bundesverbands e.V. und sorgt dafür, dass die Interessen der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher Gehör finden.

 

Wertstoffgesetz-Fakten.de:
Wie beurteilen Sie den Stellenwert des neuen Wertstoffgesetztes für die Bundesrepublik Deutschland? Welche Bedeutung hat das Wertstoffgesetz?

Klaus Müller:
Das angekündigte Wertstoffgesetz kann ein entscheidender Meilenstein auf dem Weg zum nachhaltigen Wirtschaften sein. Es geht nicht nur um Abfallentsorgung und Recycling, sondern um einen sinnvollen und verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und die Vermeidung unnötiger Abfälle.

Vom Wertstoffgesetz erwarte ich ein klares Bekenntnis zu mehr Ressourcenschutz. Das setzt voraus, dass Hersteller mehr Verantwortung übernehmen und Verbraucher besser eingebunden werden. Das Gesetz bietet die Chance zu mehr Klarheit. Bislang dürfen nur Verpackungen im gelben Sack entsorgt werden. Oft landen darin aber auch Gegenstände wie altes Plastikspielzeug. Diese Unterscheidung nach Verpackung und Produkt ist für viele Verbraucher nicht einleuchtend.

 

Wertstoffgesetz-Fakten.de:
Was sind die wichtigsten Inhalte für ein Wertstoffgesetz aus der Sicht der Verbraucher und was ist Ihnen bei der Umsetzung besonders wichtig?

Klaus Müller:
Im Mittelpunkt muss die Produktverantwortung der Hersteller stehen. Sie haben es in der Hand, Waren und Verpackungen ressourcenschonender, umweltfreundlicher und recyclinggerechter zu gestalten. Entsprechend sollte der Entsorgungskostenbeitrag nach den Umwelteigenschaften des Produktes gestaffelt werden. Bundesweit einheitliche Regeln bei der Wertstoffsammlung und mehr Klarheit darüber, was die Abfallentsorgung kostet und Recycling bringt, sind nötig, um Verbraucher zu motivieren. Sie sind zudem nicht nur an den Kosten, sondern auch an Erlösen zu beteiligen. Um den politischen Willen zu unterstreichen sollte sich Deutschland mit Blick auf die Recyclingquote ein ambitioniertes Ziel setzen.

 

Wertstoffgesetz-Fakten.de:
Wie schätzen Sie die Bedeutung des Themas Recycling ein und wie gehen Sie ganz persönlich damit um? 

Klaus Müller:
Recycling ist zentral für den Ressourcenschutz und zahlt sich aus – für die Umwelt, aber auch für die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit. Deutschland ist ein rohstoffarmes Land und auf Rohstoff-Importe angewiesen. Derzeit werden bereits 14 Prozent des Rohstoffbedarfs der deutschen Industrie durch recycelte Rohstoffe gedeckt. Dadurch lassen sich zehn Milliarden Euro an Rohstoffimporten einsparen. Dieser Anteil lässt sich weiter ausbauen.

Recycling ist allerdings nur der zweitbeste Weg zum Ressourcenschutz. Der beste ist, wenn die Ressourcen gar nicht eingesetzt werden müssen. Deshalb setzt sich der Verbraucherzentrale Bundesverband dafür ein, dass Produkteigenschaften wie Lebensdauer oder Reparaturfähigkeit gekennzeichnet werden. Persönlich überlege ich beim Einkauf, ob ich ein Produkt wirklich brauche. Ich achte auf Qualität, sodass ich möglichst lange etwas von dem Produkt habe. Und ich orientiere mich an Warentests, um problematische Inhaltsstoffe zu vermeiden.

 

Wertstoffgesetz-Fakten.de:
Welchen Stellenwert spielt das Thema „Transparenz“ für den Verbraucher?

Klaus Müller:
Die Abfallentsorgung ist in der Vergangenheit immer komplexer geworden, gleichzeitig wurde zu nachlässig kommuniziert. Viele Verbraucher zweifeln mittlerweile oder sind unsicher, ob Abfalltrennung notwendig und sinnvoll ist. Wir fordern mehr Transparenz. Verbraucher müssen wissen, was mit dem getrennten Abfall passiert, welchen Nutzen Abfalltrennung und Recycling bringen und wer welche Kosten trägt.

 

Wertstoffgesetz-Fakten.de:
Vielen Dank. Speziell das von Ihnen angesprochene Thema „Transparenz“ haben natürlich auch wir uns auf die Fahnen geschrieben und werden das weiter voranbringen. Weiterin viel Erfolg bei der kraftvollen Vertretung der Interessen der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher!

 

 

Zum Thema „Wertstofftonne“ hat die Verbraucherzentrale Bundesverband eine aktuelle Untersuchung herausgegeben: Ergebnisse der bevölkerungsrepräsentativen Umfrage zum Thema „Wertstofftonne“ | forsa im Auftrag des vzbv | März 2015

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